Die Hofanlage besteht noch aus einem Wohnhaus samt Anbau, einer Scheune sowie mehreren Nebengebäuden wie einem Geräteschuppen, einem Kuh- und einem Rinderstall. Der Komplex wurde seit 1948 mehrfach erweitert und zuletzt 2004 umgebaut. Künftig sollen auf dem Grundstück eine Zufahrtsstraße sowie Grundstücke für eine neue ressourceneffiziente und kreislaufgerechte Siedlung entstehen, die vom ReBAU-Team der indeland GmbH mit geplant wird. Das Ziel ist, dass möglichst viele Materialien aus der alten Hofanlage in der neuen Siedlung zum Einsatz kommen sollen. Hierfür wurde ein sogenanntes „Reuse Assessment“, erstellt. Mittels dieser „Wiederverwendungs-Bewertung“ sollen die Materialien über eine Plattform veräußert werden.
„Wir wollen mit dieser Studie verdeutlichen, dass Gebäude nicht konventionell abgerissen werden müssen“, sagt Janika Ketzler, die diesen Arbeitsbereich des ReBAU-Projekts leitet. „Ein werterhaltender, selektiver Rückbau schenkt den verbauten Materialien ein zweites Leben und verhindert, dass sie trotz ihres guten Zustandes auf der Deponie landen.“
Das Besondere an der ReBAU-Studie: Die Ergebnisse können auch auf andere Gebäude im Rheinischen Revier angewandt werden. Janika Ketzler: „Wir zeigen: Selektiver Rückbau ergibt nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch Sinn. So wollen wir die Ressourcenwende im Rheinischen Revier ganz praktisch voranbringen.“
Musterprojekt fürs Rheinische Revier
Die Studie, die das Unternehmen Concular im Auftrag von ReBAU durchführte, zeig t enorme Möglichkeiten auf: Dachbalken, Kalksandsteine und Pflastersteine lassen sich zu 100 Prozent wiederverwenden oder verwerten. Mindestens die Hälfte der Bimssteine und Mauerziegel können anderswo erneut verbaut werden, ebenso ein kleiner Anteil der Dachziegel aus Ton. Der Rest der Steine und Ziegel kann – ebenso wie der komplette hier verbaute Beton – geschreddert werden und danach einer neuen Nutzung zugeführt werden. Für diese Ausbeute lohnt es sich laut den Fachleuten, das Gebäude nach einem festen Plan Stück für Stück abzutragen, statt mit einem Abrissbagger anzukommen und nur gemischten Bauschutt zu produzieren.
Erfreuliche Bilanz der Studie
Nicht alles Material aus der Hofanlage kann neu genutzt werden: Bei Dämmmaterial oder Wellpappe ist zum Beispiel eine Wiederverwertung wegen der Asbestbelastung ausgeschlossen. Das ist Sondermüll. Und es dürfte schwierig werden, noch Abnehmer für die alten, aus der Mode gekommenen Fliesen, die Keramiktoiletten, den alten Heizkessel oder für schmiedeeiserne Treppengeländer zu finden.
Insgesamt fällt die Bilanz aber erfreulich aus: Eine teilweise Wiederverwendung der verbauten Materialien der Hofanlage durch ein selektives Zurückbauen ist voraussichtlich sogar etwas preiswerter als ein konventioneller Abriss. Das klappt allerdings nur, wenn die aus dem Verkauf der wiederverwertbaren Materialien erzielten Erlöse tatsächlich in der veranschlagten Höhe erzielt. Die Schaffung eines entsprechenden Marktplatzes, einer sogenannten Rohstoffbörse, ist daher eines der Ziele des ReBAU-Projekts.
Weitere Informationen:
www.rebau.info