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Indeland als „Blitzableiter für Köln“

Dürener Nachrichten - 21.6.2017 - 22.06.2017 09:18
Indeland als „Blitzableiter für Köln“

 

Gelingt es der Region in den nächsten Jahrzehnten, vom Bevölkerungszuwachs der Metropolen zu profitieren?

Kreis Düren. Wie wird das Indeland 2030, 2040 oder 2050 aussehen? Ist die Region attraktiv genug, um genügend steuerkräftige Einwohner anzulocken? Gibt es genügend Arbeitsplätze? Wie wird Energie bereitgestellt? Welche Verkehrskonzepte gibt es? Wie schreitet die Digitalisierung voran? Fragen, mit denen sich das 5. Zukunftslabor Indeland im Science College von Haus Overbach mit Blick auf das Tagebauende beschäftigte. Ein Überblick:

Die Sicht von außen: Dr. Reimar Molitor, promovierter Diplom-Geograf, ist Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Vereins Region Köln/Bonn. Der Verein ist ein Zusammenschluss von Köln, Bonn und Leverkusen sowie umliegenden Kreisen. Ziel ist es, die regionale Zusammenarbeit zu stärken. Molitor hat dabei auch das Indeland im Blick, seit zehn Jahren, wie er sagt. Die in den Metropolen zu beobachtenden Boomtendenzen schlügen auch in den Kreis Düren aus. Die Region könne ein „natürlicher Blitzableiter für Köln“ werden. Täglich pendeln mehr als 300 000 Menschen in die Domstadt. Molitor sagt, die Kommunen müssten jetzt gemeinsam mutig sein „und machen“.

Die Indeland-Sicht: Geschäftsführer Jens Bröker stellte die Flächenpotenziale der Region heraus und erinnerte daran, dass Städte wie Köln, Düsseldorf und Aachen aus dem Indeland heraus binnen einer Stunde zu erreichen sind. Ein Pluspunkt. Die Region müsse vom Wachstum am Rhein profitieren. Die Bevölkerung in Städten wie Düren und Jülich würde älter und schrumpfen. Dabei seien die Bedingungen hervorragend. Freilich gebe es keine positive Entwicklung, wenn nicht gehandelt würde.

Die Sicht der Wissenschaft: Professor Christoph Hebel (FH Aachen) legte dar, wie sich Mobilität verändert. Vor 40 Jahren legten die Menschen 3,4 Wege am Tag zurück (zur Arbeit, zum Einkauf, und so weiter), waren 80 Minuten unterwegs und legten 27 Kilometer zurück. So sei das heute noch. Nur mit dem Unterschied, dass täglich 40 Kilometer absolviert werden. In 40 Jahren, so der Professor, würden selbstfahrende Fahrzeuge und Verkehrskonzepte, die vernetzt, bezahlbar und benutzbar sind, vorherrschen. Der Treibstoff seien erneuerbare Energien.

Mit der Frage, wie sich die Energieversorgung bis 2040 darstellen könnte, befasste sich Professor Ulf Herrmann, Geschäftsführender Direktor des Solar-Institutes in Jülich der FH Aachen. Wie hoch ist der Energiebedarf? Wie ist er zu senken? Und woher soll der Strom kommen? Wird er vor Ort komplett produziert, wird Energie zugekauft? Könnte es einen Mix geben? Entscheidende Fragen, die im Indeland beantwortet werden müssten.

Professor Thomas Ritz, Leiter des „mobile media & communication lab“ der FH Aachen, sprach über Digitalisierung. Sie bedeute, besser teilen zu können, zum Beispiel Autos, die von mehreren genutzt werden. Die Welt werde sich dezentralisieren. Es sei zum Beispiel möglich, mit digitalen Produkten besser zu kommunizieren, zu koordinieren und zusammenzuarbeiten.

Marcus Baumann, der Rektor der Fachhochschule, nannte als wichtige Zukunftsaufgabe die Kommunikation. „Die Menschen in der Region müssen uns glauben, dass alles sinnvoll ist, was wir machen und planen.“ (inla)