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28.11.2022

Rahmenplan Indesee 2.0: Naturschutzverbände betonen Wichtigkeit von Natur und Umwelt

In einer gemeinsamen Pressemitteilung zum Rahmenplan Indesee 2.0 appellieren drei Naturschutzverbände, die Natur und Umwelt bei den Entscheidungen weiterhin im Blick zu behalten. Der Zeitkorridor, der für die Seebefüllung vorgesehen ist, biete viel Raum für Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung.
Die renaturierte Indeaue zwischen Tagebau Inden und Kraftwerk Weisweiler

In der Pressemitteilung nehmen die Naturschutzverbände Bezug auf die drei Bürgerworkshops in Schophoven, Lucherberg/Inden-Altdorf und Merken vom Juni 2022, die es den Bügerinnen und Bürgern ermöglicht haben, mit eigenen Anregungen an der Gestaltung des Uferbereiches des entstehenden Indesees mitzuwirken. Dass viele Ergebnisse aus den Bürgerworkshops in den Rahmenplan Indesee 2.0 eingeflossen sind, begrüßen die Verbände. „Denn die Menschen im Tagebauumfeld haben lange unter den Auswirkungen des Braunkohleabbaus gelitten“, heißt es in der Pressemitteilung, die wir weiter unten im Wortlaut dokumentieren.

Die Naturschutzverbände fordern, die Belange von Natur und Umwelt bei den Entscheidungen gleichrangig zu behandeln. Konkret sprechen sie sich unter anderem dafür aus, die „Lucherberger Lagune“ als Naturschutzbereich zu gestalten, und sehen die Erweiterung der Wohnbebauung im Westen und Norden von Merken sowie die vorgesehene Ostumfahrung des Ortes kritisch. Sie fragen zudem, nach welchen Kriterien die Anregungen ausgewählt wurden, die in den Rahmenplan 2.0 eingeflossen sind. 

Vielfältige Interessen

Die indeland GmbH, die den Rahmenplan-Prozess koordiniert, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass im Zuge der Erstellung des Rahmenplans Indesee 2.0 verschiedene Interessen miteinander abgewogen wurden. Wie andere Fachleute und Bürger*innen haben sich die Naturschutzverbände unter anderem im Rahmen der Workshops mit ihren Anregungen und Hinweisen in den Prozess eingebracht. Das Planungsteam achtete in der Folge darauf, dass die laufende Planung nicht im Widerspruch zu bereits im Vorfeld festgelegten Planungen und älteren politischen Beschlüssen, etwa dem Rahmenplan 1.0 oder dem Braunkohlenplan, steht.

In diesem Sinne wird die indeland GmbH auch den weiteren Planungsprozess zum Indesee und der „Zwischenlandschaft“ ab 2030 moderieren. Sie lädt alle Interessengruppen und Interessierten ein, sich an der Diskussion für die Zukunft der Region zu beteiligen und eigene Stellungnahmen und Positionen einzubringen.

Beratungsbedarf zum Rahmenplan Indesee 2.0 hatte im November der Hauptausschuss der Gemeinde Inden angemeldet. Inzwischen sind die Rückfragen beantwortet und der Ausschuss wird sich in seiner nächsten Sitzung am 8. Dezember 2022 erneut mit dem Rahmenplan befassen. Hier finden Sie die Beschlussvorlage, ergänzt um die zuletzt aufgekommenen Hinweise/Fragen und Antworten.


Im Wortlaut: Pressemitteilung der Naturschutzverbände

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Pressemitteilung der Naturschutzverbände Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) Kreisgruppe Düren Landesgemeinschaft Naturschutz (LNU) e.V., Anlaufstelle Kreis Düren Naturschutzbund Deutschland (NABU) Kreisverband Düren e.V. zum Rahmenplan Indesee 2.0

24. November 2022

Den Anwohnern des künftigen Indesees wurde im Rahmen von drei Bürgerworkshops in Schophoven, Lucherberg/Inden-Altdorf und Merken die Möglichkeit gegeben, mit eigenen Anregungen an der Gestaltung des Uferbereiches des entstehenden Indesees mitzuwirken. Wie auf der Homepage der Indeland GmbH zu lesen ist, sind viele Ergebnisse aus den Bürgerworkshops in den Rahmenplan Indesee 2.0 eingeflossen – und das ist gut so. Denn die Menschen im Tagebauumfeld haben lange unter den Auswirkungen des Braunkohleabbaus gelitten.

Doch nicht nur die Menschen haben Beeinträchtigungen durch den Tagebau erfahren, auch Natur und Umwelt sind erheblich betroffen. Es gibt kaum einen größeren Eingriff in die Umwelt als den Braunkohletagebau. Als Vertreter von Natur und Umwelt haben sich die Naturschutzverbände im Kreis Düren in den Prozess zur Neuaufstellung des Rahmenplans Indesee eingebracht. Zu unseren Anregungen gehörten z. B. die Herstellung eines Biotopkorridors zur Indemündung, die Wiedervernässung von Poldern auf den Wiesen nordwestlich von Schophoven und die Gestaltung der sogenannten Lucherberger Lagune als Naturschutzbereich. Letzteres vor allem vor dem Hintergrund, dass der Lucherberger See, der sich zu einem wertvollen Lebensraum vieler Arten entwickelt hatte, dem Tagebau weichen muss. Die Lucherberger Lagune liegt geografisch dort, wo bisher der gleichnamige See war und es wäre konsequent, in diesem Bereich wieder einen Naturraum entstehen zu lassen.

Für Merken gab es im Rahmen des Fachöffentlichkeitsworkshops Stimmen, die nicht die Entwicklung des Ortes in Richtung See präferierten, sondern den Kern des Ortes gestärkt sehen wollen, das Bauen im Bestand bevorzugen, das Naturerlebnis hervorgehoben wissen möchten und sich eine Förderung des Ökolandbaus und eine reich strukturierte Landschaft im Umfeld des Ortes wünschen.

Leider finden sich die Anregungen, die Natur und Umwelt in den Fokus stellen, im Rahmenplan Indesee 2.0 nicht wieder. Gerade in Merken wird deutlich, dass Stimmen, die sich für den Erhalt und die Schaffung weiterer Naturräume ausgesprochen haben, kein Gehör fanden. Ganz im Gegenteil: Der Rahmenplan 2.0 sieht dort eine Erweiterung der Wohnbebauung nach Westen und Norden vor. Die Wälder, die in diesen Bereichen angesiedelt wurden, sollen dafür zu einem großen Teil weichen. Es wird argumentiert, dass diese Wälder keinen echten Wert für die Natur darstellen und deshalb nicht schützenswert seien. Dem widersprechen die Naturschutzverbände entschieden. Der Zeitkorridor, der für die Seebefüllung vorgesehen ist, bietet viel Raum für Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung dieser Waldgebiete, damit diese für Natur und Artenvielfalt noch attraktiver werden.

Dem Rahmenplan Indesee 2.0 ist zu entnehmen, dass Merken eine Ostumfahrung erhalten soll. Diese wird zu einer Versiegelung und Beeinträchtigung wertvoller Naturräume in direkter Nähe zum Fauna-Flora-Habitat und Naturschutzgebiet Ruraue, einem Biotopverbundkorridor nationaler Bedeutung, führen. Mit dieser Straße würde eine erhebliche Störung der Ruraue inkl. dort in der Nähe brütender Vögel wie dem Eisvogel einhergehen. Daher lehnen wir die Ortsumfahrung Ost entschieden ab. Das jetzige Straßennetz ist mehr als ausreichend für Merken.

Für Natur und Artenvielfalt wird es eng rund um Merken – und das im wahrsten Wortsinn. Ob das tatsächlich im Sinne der Merkener Bürger – und von uns allen – ist, halten wir mindestens für fraglich.

Einen nachvollziehbaren Prozess dahingehend, wie Anregungen im Beteiligungsprozess gewichtet wurden, erkennen wir Naturschutzverbände nicht. Wir fragen uns auch, nach welchen Kriterien die Anregungen ausgewählt wurden, die in den Rahmenplan 2.0 eingeflossen sind, und was dazu geführt hat, dass das bei anderen nicht geschehen ist. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Natur und Umwelt bei der Fortschreibung des Rahmenplans nicht zu ihrem Recht gekommen sind.

Der Rahmenplan Indesee 2.0 wird derzeit in den politischen Gremien beraten. Im Koalitionsvertrag von CDU und Grünen NRW (Zukunftsvertrag) ist zu lesen: „Das Prinzip der Flächensparsamkeit soll Leitschnur unseres Regierungshandelns sein.“ Ähnliche Bekenntnisse gibt es in den Koalitionsverträgen auf Kreisebene (Koalitionsvertrag „Zukunft gestalten“ von CDU und Grünen) und Stadtebene (Koalition „Zukunft Düren“ von SPD, Grünen, Bunter Liste und Bürger für Düren).

Die Schaffung neuer Wohngebiete und einer neuen Umgehungsstraße sind mit dem Prinzip der Flächensparsamkeit nicht in Einklang zu bringen. Wir hoffen, dass die Entscheidungsträger das erkennen, Verantwortung übernehmen und den Bekenntnissen zur Flächensparsamkeit Taten folgen lassen, indem sie diese auch tatsächlich in Ihre Entscheidungen einfließen lassen.

Wir können uns den Verlust wertvoller Böden nicht länger leisten. Er hat dramatische Auswirkungen auf den Natur- und Umweltschutz. Lebensräume von Tieren und Pflanzen werden zerstört. Lebensräume werden zerschnitten, sodass der Austausch von Populationen und die Futtersuche erschwert werden. Der Flächenverlust wirkt sich negativ auf den Grundwasserspiegel, das Mikroklima und damit die Auswirkungen des Klimawandels sowie die CO₂-Speicherfähigkeit der Böden aus.

Die Naturschutzverbände appellieren an die politischen Parteien, in Bezug auf den Rahmenplan Indesee 2.0 die richtigen Schlüsse zu ziehen und Entscheidungen zu treffen, die Natur und Umwelt nicht hintanzustellen. Denn dann ist der Verlierer die Artenvielfalt – ohne die auch uns Menschen ein Leben auf der Erde langfristig nicht möglich sein wird.

BUND Kreisgruppe Düren
Landesgemeinschaft Naturschutz (LNU) e.V. Kreis Düren
NABU Kreisverband Düren e. V.

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